
Bei dieser Aufnahme von 1913 erkennt man gut die Tandem-Zweisitzer-Bauweise des 5/12PS Wanderer.
Strenggenommen ist der W3 ein "Dual Cowl", denn der vordere und der hintere Fahrgastraum
sind voneinander abgetrennt. Die weißen Reifen waren seinerzeit gang und gäbe,
da man zur Färbung dem Kautschuk erst später Asphalt beimischte.
Lange hatte man bei den in Schönau bei Chemnitz ansässigen Wanderer-Werken mit der Automobilproduktion gewartet.
Obwohl die Ingenieure schon 1906 ein zweisitziges Versuchsfahrzeug mit einem luftgekühlten Zweizylindermotor entwickelt hatten, für den sich Wanderer den Namen "Wanderermobil" (interne Bezeichnung W1) schützen ließ, ging dieser Wagen nicht in die Serienproduktion. Auch ein 1907 entstandener Vierzylinder (W2) blieb ein Versuchsfahrzeug.
1911 verhandelte der damals noch ziemlich unbekannte Ettore Bugatti mit den Wanderer-Werken über den Verkauf eines von ihm entwickelten Kleinwagens mit vier Zylindern und 855 ccm, den er im Keller seiner Wohnung in Köln entworfen hatte, während er bei Deutz arbeitete. Doch die Wanderer-Werke winkten ab. Die finanziellen Forderungen von Bugatti erschienen dem Direktorium zu hoch.
Ihr eigenes Projekt - ein zweisitziger Kleinwagen stand kurz vor der Serienproduktion. Was wäre wohl gewesen, wenn die beiden Parteien sich einig geworden wären?
Zurück zum W3 genannten Projekt der Wanderer-Werke.
Die lange Wartezeit hatte sich gelohnt. Insgesamt wurde über einen Zeitraum von sechs Jahren getüftelt und geprobt, verworfen und weiterentwickelt. Dabei kam den Ingenieuren der Wanderer-Werke zugute, dass man in der eigenen Firma eine Werkstatt zur Herstellung von Präzisionsteilen eingerichtet hatte. Die Erfahrungen des Motorradbaus seit 1902 und die eigene Motorenproduktion waren wichtige Grundbedingungen dafür dass der erste Wanderer ein ausgereiftes Auto wurde.
"Wir hatten einen ganz niedlichen, kleinen Wagen im Auge, kleiner als alle bisher gebauten Wagen, niedrig in Anschaffungspreis, sparsam im Bezin-, Gummi- und Ölverbrauch, anspruchslos im Platzbedarf, aber großen Wagen gleich an Schnelligkeit und im Nehmen von Steigungen." schrieb der Firmengründer Johann Baptist Winklhofer später.
Im Frühjahr 1913 war es so weit, der Wanderer 5/12 PS Typ W3 ging in die Serienproduktion.
Solide gebaut, geringe Unterhaltskosten, bis zu 70 km/h schnell
und gut am Berg - die Vorzüge des Wanderer W3 5/12 PS.
Entstanden war ein Kleinwagen mit zwei hintereinander(!) angeordneten Sitzen, so machte er von der Seitenansicht den Eindruck eines größeren Wagens. Der Reihen-Blockmotor schöpfte aus 1147 ccm 12
PS bei 1.800 U/min. Intern hieß der Tandem-Zweisitzer: W3 Modell H (für "Hintereinander").
Nach einigen Monaten wurde das Modellprogramm um einen einsitzigen "Gepäck- und Lieferungswagen" erweitert, der auf dem Modell H basierte und entweder eine kleine Ladefläche oder einen
Kastenaufbau hatte.
Es sprach sich schnell herum, dass der Wanderer W3 sehr solide konstruiert war. Abgesehen davon trugen sicherlich auch die Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h und die exzellente "Kletterfähigkeit" des leichten und handlichen Wagens zu seinem Erfolg bei.
Die Firmengründer Richard Jaenicke und Johann Baptist Winklhofer erkannten frühzeitig, wie wichtig es für die Vermarktung des W3 war, seine außergewöhnlichen Tugenden unter Beweis zu stellen. 1912, also noch in der Testphase, ließen sie den Tandem-Zweisitzer eine 2065 km lange Dauerprüfung in den Dolomiten absolvieren, bei der sich herausstellte, dass er Bergpässe meisterte, die vor ihm noch kein Kleinwagen gemeistert hatte. 1914 nahmen drei W3 an der schwierigen Österreichischen Alpenfahrt teil. 2.400 Kilometer legte der erste Wagen in den Alpen ohne Defekt zurück. Die anderen beiden mussten wegen Felgendefekten aufgeben. Das Militär war ebenfalls von den Vorzügen des W3 begeistert und setzte ihn im Ersten Weltkrieg ein.
Entstanden war ein Kleinwagen mit zwei hintereinander(!) angeordneten Sitzen. Der Reihen-Blockmotor schöpfte aus 1150 ccm 12 PS bei 1.800 U/min. Es sprach sich schnell herum, dass der Wanderer W1 sehr solide konstruiert war. Abgesehen davon trugen sicherlich auch die Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h und die exzellente "Kletterfähigkeit" des leichten und handlichen Wagens zu seinem Erfolg bei.
Die Firmengründer Richard Jaenicke und Johann Baptist Winklhofer erkannten frühzeitig, wie wichtig es für die Vermarktung des W1 war, seine außergewöhnlichen Tugenden unter Beweis zu stellen. 1912 ließen sie den Tandem-Zweisitzer eine 2000 km lange Dauerprüfung in den Dolomiten absolvieren, bei der sich herausstellte, dass er Bergpässe meisterte, die vor ihm noch kein Kleinwagen gemeistert hatte. 1914 nahmen drei W1 an der schwierigen Österreichischen Alpenfahrt teil. 2.400 Kilometer legte der erste Wagen in den Alpen ohne Defekt zurück. Die anderen beiden mussten wegen Felgendefekten aufgeben. Das Militär war ebenfalls von den Vorzügen des W1 begeistert und setzte ihn im Ersten Weltkrieg ein.

Serienmäßiges Verdeck, Hupe und Beleuchtung waren damals noch eine Seltenheit.
Gepäck musste hinten auf der Gepäckbrücke transportiert werden,
der W3 bot anfangs nur zwei Personen Platz.
Gerade weil er aber klein und kostengünstig war,
trug er mit zum Siegeszug des Automobils bei,
denn so ein Fahrzeug konnte sich nun auch die Mittelschicht leisten.
Dass der Wanderer 5/12 PS in den deutschsprachigen Ländern sehr populär wurde lag aber auch daran, dass der Operettenkomponist Jean Gilbert ab 1913 mit seinem Stück "Die keusche Susanne" so
großen Erfolg hatte. Im 1. Akt sollte ein Automobil auf der Bühne stehen und die Wanderer-Werke stellten ein Exemplar des 5/12 PS zur Verfügung - ein genialer Werbecoup.
Das Lied "Puppchen, du bist mein Augenstern" aus der Operette wurde ein Evergreen und landauf, landab geträllert. Und da der Wanderer so klein und niedlich war, wurde er vom Volksmund fortan nur
noch Puppchen genannt.
Hier der Liedtext:
Ein süßes kleines Kindchen
Sei Euch vom Glück beschert!
Mit Händchen, Füßchen, Mündchen
Und was dazu gehört!
Schreit oft nach seinem Süppchen
Das Baby wie am Spieß
Bald ist das liebe Puppchen
Für Euch ein Paradies
Und Pappi singt es brav
Mit Mutti in den Schlaf!
Puppchen, Du bist mein Augenstern
Puppchen, hab Dich zum Fressen gern
Puppchen, mein süßes Püppchen
Nein ohne Spaß
Du hast so was!
Puppchen, Du bist mein Augenstern
Puppchen, hab Dich zum Fressen gern
Puppchen, mein süßes Püppchen
Nein ohne Spaß, nein ohne Spaß
Du hast so was!
Größenvergleich: Wanderer W3 5/12 PS von 1912 vor Rolls Royce 25/30 von 1929.
Hier erkennt man gut, wie schmal der W3 gebaut ist.
Im Sommer 1913 drängten die Kunden aber immer mehr nach einem Zweisitzer bei dem die Sitze nebeneinander angeordnet wären. Das hatte Firmengründer Winklhofer vorausgesehen und dieses Modell bereits entwickeln lassen. Ab September 1913 wurden die ersten W3 Modell N (für "Nebeneinander") an die Kunden geliefert. Mit der großen Nachfrage nach dem 3.800 Mark teuren Wanderer "Puppchen" konnte das Direktorium zufrieden sein..
1914, kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs wurde ein größerer Motor verbaut. Aus 1.222 ccm leistete der Wagen nun 15 PS und hieß W3/II 5/15 PS.
Ab 1917 gab es den Wanderer Puppchen auch als Dreisitzer. Dazu hatte man den Radstand von 2,20 auf 2,40 verlängert. Die Serienproduktion des W3/II Typ Nv ("Nebeneinander versetzt") genannten Dreisitzers konnte aber erst nach dem Krieg aufgenommen werden.
Die kleinen und behänden Wanderer W3 bescherten den Wanderer-Werken großen Erfolg und machten sie über die Landesgrenzen als Produzenten kostengünstiger und solider Fahrzeuge bekannt. Die nachfolgenden Fahrzeuge sollten den guten Ruf in den zwanziger und dreißiger Jahren noch weiter untermauern.
Vom Wanderer Typ W3 5/12 PS wurden in den Varianten
- Zweisitzer Modell H (Sitze hintereinander)
- Zweisitzer Modell N (Sitze nebeneinander)
- Gepäckwagen
- Pritschenwagen
von 1913 bis 1914 insgesamt ca. 650 Fahrzeuge gebaut.
Vom Wanderer Typ W3 5/15 PS wurden in den Varianten
- Zweisitzer Modell H (Sitze hintereinander)
- Zweisitzer Modell N (Sitze nebeneinander)
- Dreisitzer Modell Nv (Sitze nebeneinander versetzt)
von 1914 bis 1921 insgesamt ca. 3.300 Fahrzeuge gebaut.
Nach dem Ersten Weltkrieg knüpfte man an der Vorkriegskonstruktion des W3 "Puppchen" an und brachte ab Mai 1921 als Nachfolger den in vielen Punkten verbesserten Wanderer W8 auf den Markt.